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Nr. 26 - Informativ: Die "böse Fliege"

Bild von majoRahn
   

 

Die "böse Fliege"

 

Der Befall 

Ist es euch auch schon einmal so ergangen wie mir? Da geht man an einem schönen Frühlingstag im Mai oder aber auch im Spätsommer in den Garten und denkt: "Was für schöne Hauswurze! Alle so gesund und kräftig!" Und wenige Tage später dann der Schock im Sempervivum-Topfquartier: viele der Pflanzen sehen von heute auf morgen schlimm aus - wirken krank oder zerknautscht. Bei näherem Hinschauen erkennt man:

Die "böse Fliege" war wieder am Werk!

Befallene Blätter von cv. Benala. Sie sind braun geworden und die Haut wirkt stellenweise wie Pergament.

Ich selber habe die Fliege noch nie wahrgenommen - wohl aber das Werk ihrer ungezogenen Kinder. Schaut nur was sie im Blattinnern angerichtet haben:

Die gefräßige Larve war leider schon weg. Man sieht noch deutlich ihr Ausstiegsloch und ihre Hinterlassenschaften.

Aber dann finde ich sie doch noch: in der Ecke eines Blattes sitzt sie und lässt sich nicht bei ihrem genüsslichen Gelage stören.

Fast hätte sie einem schon Leid tun können, aber im Dienste der Wissenschaft und zum Wohl der Pflanze musste sie das Hotel Sempervivum für immer verlassen!

 

Die Übeltäterin

Nun wollte ich es genau wissen: wer ist denn die Mutter dieser "verfressenen Wesen"?

Da fiel mir ein alter Bericht aus dem Forum der Sempervivum-Liste ein. Dort hatte Mitglied Gerhard Spröd, alias "redakteur" Bilder von einer Larvenmutter eingestellt. Die Fotos lösten damals eine lebhafte Diskussion aus.

Anmerkung: alle, die diesen Beitrag nocheinmal nachlesen möchten, finden ihn in der Sparte: Mitglieder berichten. Thema: Ein Schädling bei den Semperviven. Leider können ihn nur angemeldete Mitglieder lesen.

Herr Spröd stellte mir für diese Semperecke einige Bilder und Informationen zur Verfügung. Er hatte in diesem Jahr auch starken Befall des Schädlings und er gab den entscheidenden Tipp zur Aufklärung der Indentität der Larvenmutter. Es ist eine

Cheilosia caerulescens, eine Erzschwebfliegenart

die den Semperviven derart zusetzt. Diese Information, so Spröd, kann man in folgender Broschüre nachlesen:

Pflanzenschutz bei Kakteen und anderen Sukkulenten, von Thomas Brand, Deutsche Kakteen Gesellschaft e.V

Weiterhin heißt es dort, dass die relativ großen Maden bevorzugt Semperviven mit großen Blättern schädigen aber dass auch kleine Blätter befallen werden können.

In meiner Sammlung konnte ich beobachten, dass u.a. Arten und Sorten mit weichen Blättern gerne als Wirtspflanze ausgewählt werden. cv. Apple Blossom zum Beispiel ist immer bei einem Befall mit dabei.

Bilder und weitere Infos von G.Spröd:

Blätter mit Schlupfloch und Fraßgang

Spröd: "... Durch die starke Blüte der Semperviven haben sich diese Biester auch an dem leckeren Nektar der Blüten gelabt. Als Dankeschön haben sie dann auch noch ein Ei abgelegt ..."

Fliege von oben und von unten:

 

Eine Entdeckung

Zurück zu meinem Garten. Da im Sempervivum-Quartier sowieso Aufräumarbeiten anstanden, beschloss ich bei dieser Gelegenheit die befallenen Semperviven erst einmal herauszunehmen um sie später zu zu putzen. Da sah ich sie: auf den Stellflächen der befallenen Pflanzen lagen Puppen:

Ich fand sie an verschiedenen Orten und immer dort, wo befallene Topfpflanzen standen. So nehme ich stark an, dass die Puppen von "unserer" Schwebfliege stammen. Wahrscheinlich zieht es sie zur weiteren Entwicklung in tiefere Gefielde. Durch Auflesen der kleinen "Tönnchen" könnte ich dann zumindest den Schädlingsbestand minimieren.

 

Die "Ent-larvung"

Wer einmal den Befall seiner Semperviven miterlebt hat, weiß, dass man nun die Nerven behalten muss. Bei minimalen Befall hilft schon ein "Abwarten und Tee trinken". Irgendwann macht die Puppe die Fliege und verschwindet für einige Zeit aus dem Blickwinkel. Vitale Semperviven regulieren den Schaden von alleine und stehen einige Wochen später in gewohnter Pracht wieder da. Gewiss - der Anblick der Pflanzen erfreut dann für eine zeitlang nicht mehr das Auge.

Thomas Brand (siehe oben) schreibt von einer "Einschränkung des Zierwertes durch Vertrocknen und Verfaulen einzelner Blätter ..." und weiter "... bis zum Totalausfall der Pflanze ..."!

Man muss die Pflanzen also gut beobachten.

Man kann:

a) befallene Blätter entfernen und darauf hoffen, dass man dabei die Larve erwischt.

b) Puppen auf Stellflächen absammeln.

c) die Schwebfliegen fangen und sie den Goldfischen zum Fraß anbieten. So macht es zumindest Herr Spröd. Er kennt aber die "böse Fliege" ganz genau, denn so manche Schwebfliegenart ist bekanntlicherweise ziemlich nützlich beim Befall von unliebsamen Fressfeinden im Garten.

Nur im alleräußersten Notfall, z.B. wenn die Fliege die Oberhand bekommt und das Übel nicht mehr in Griff zu bekommen ist, muss man sich eine andere Strategie überlegen.

Schädlinge, die innen in der Pflanze leben, kann man nach meinem derzeitigen Wissensstand leider nicht mit einem harmlosen, bienenfreundlichem Kontaktmittel vernichten. Man muss die befallenen Pflanzen mit einem systemisch wirkendem Gift behandeln. Das Gift dringt dabei in die Pflanze ein, der Schädling labt sich daran und stirbt. Dabei können auch nützliche Bienen zu Schaden kommen. Man sollte sich also bei einer möglichen Anwendung genauestens an die Gebrauchsanweisung halten!

Als systemisch wirkende Mittel werden Provado oder Calypso genannt. Beide von der Fa. Bayer. Letztgenanntes Mittel "stinkt" nicht so furchtbar, wirkt aber wahrscheinlich auch nicht ganz so effektiv.

Ich werde immer mal wieder gefragt, ob es denn zur Bekämpfung der Bösewichte keine sogenannten Nützlinge gibt. Meines Erachtens nicht, aber ich probiere da gerade etwas aus. Ich habe mir ein kleines Tierchen zugelegt, das mir bei der Bekämpfung helfen soll. Ob es das schafft, weiß ich noch nicht. Zumindest ringt es mir ein Schmunzeln ab und das ist genau das, was ich bei einem neuen Befall brauche.

 

Vorbeugung

Als Vorbeugung kann ich nur empfehlen, den Pflanzen das zu geben, was sie am nötigsten brauchen: viel Sonne, keine Staunässe, das richtige Substrat, mäßige Düngerzugabe. Dann wachsen gesunde, kräftige Pflanzen heran mit harten und festen Blättern, denen die Schwebfliege nur noch wenig anhaben kann!

 

Eure Erfahrungen

Ich würde gerne von euch wissen: was habt ihr für Erfahrungen mit der "bösen Fliege" gemacht und was unternehmt ihr, wenn die Pflanzen befallen sind?

E-Mail an majoRahn

Von Manuel Werner habe ich schon einen Tipp bekommen. Er schreibt im "Journal der Fachgesellschaft andere Sukkulenten 28:4 2010", dass man braune oder graue, mitunter auch schwarz gefärbte Blätter entfernen sollte. Zitat aus o.g. Journal:

"... Obwohl sie am Naturstandort wichtige Funktionen haben wie Humuserzeugung, Schutz vor Austrocknung, Isolation, etc. zupft man diese am besten ab, bevor man die Hauswurz pflanzt. Dabei ist darauf zu achten, dass keine kleine Seitenwurzeln und keine oft winzigen Tochter-Rosetten mit abgerissen werden ... Falls Rosettenblätter hellbraun und glasig erscheinen, kann eine minierende Larve am Werk sein. Auch diese Blätter zupft man ab ..."

Anmerkung: in diesem Journal gibt es noch viele, viele andere Informationen über Hauswurzarten der Alpen, Sempervivum und Jovibarba. Eine sehr empfehlenswerte Zeitschrift. Bei Interesse zu beziehen bei der FGaS (Fachgesellschaft andere Sukkulenten e.V.)

 

Noch was Nettes zum Schluss

Zugegeben, in der heutigen Semperecke ging es stellenweise ziemlich düster zu. Nicht alle Bilder waren etwas für schwache Sempsfreunde-Nerven. Deshalb noch ein netter Beweis, dass Schädlinge und Semperviven auch in friedlicher Eintracht zusammen leben können

(zumindest ein Teil des Schädlings) wink

In diesem Sinne: genießt die letzten schönen Sommerstunden zwischen dem all dem Regen.

Anne Rahn - majoRahn im September 2011

 

 

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Kommentare

Hallo, liebe majoRahn,

ja, das kommt einem alles leider sehr bekannt vor. Viele Hände voll Matschblätter habe ich entsorgt und dabei die Larve begrüßt (Da bist du ja! Oder: Hab ich dich!). Dann meine Sorge: Wie schnell entwickeln sich die Larven? Schlüpfen sie noch in der Biotonne und fliegen munter als angrifflustiges Insekt heraus?

Ich sehe auch schon mal die Insekten bei der Landung auf der Pflanze. Aber sie verschwinden blitzschnell unter den unteren Rosettenblättern. Besonders bei den Heuffeliis mit ihren starren Blättern hat man keine Chance an das Insekt heranzukommen. Man würde das Blatt abbrechen. Von unten wird dann wohl das erste Blatt angestochen. Ich nehme an, dass die Larve mehrere Blätter besucht. Ob das Insekt mehrfach Eier in eine Pflanze legt, weiß ich nicht.

Danke für den Hinweis mit den Puppen. Ich habe die noch gar nicht bemerkt. Ich dachte wohl, es sei eine träge Larve. Ich muss mal die Lupe mit in den Garten nehmen.

Vielen Dank für die fleißige Zusammenstellung der bisherigen Erkenntnisse!

Liebe Grüße

Sempernicki

 

Liebe majoRahn,


wieder eine hoch interessante Semperecke in der Du es geschafft hast, ein sehr leidiges Thema mit vielen nützlichen Informationen, schönen Bildern und nicht zuletzt einem Augenzwinkern aufzubereiten.    DANKE dafür !!

 

Matschblätter gibt es 2011 wahrlich genug - wegen der Larven und dem vielen Regen...

Ich konnte beobachten, dass der zweite Befall der gefräßigen Fliegenkinder in diesem Sommer zeitiger eingesetzt hat als die Jahre zuvor. Bereits Mitte August war ich fast täglich mit Pinzette und Eimerchen unterwegs. Der Befall war auch in diesem Jahr in den Töpfen deutlich größer als bei ausgepflanzten Semps. Vielleicht hat jemand von Euch eine Erklärung dafür.

 

Solltest Du mit Deinem lustigen Flugtierchen eine Geheimwaffe gegen die böse Fliege und ihre Larven gefunden haben, dann vergiss´ bitte nicht, uns die Bezugsquelle mitzuteilen.  ;o)

 

Liebe Grüße

sachsblau

Unbedingt, liebe majoRahn.

Wir hängen uns das süße Dingsda gerne auf.

Ich würde auch sonst alles tun: Bei Mondenschein die Pflanzen besprechen usw.

Ich stelle mir dich, liebe sachsblau, vor, wie du mit einem Eimerchen an der nicht mehr heilen Sempswelt vorbeimarschierst - voller Groll - und die Matschblätter müllabfuhrmäßig abtransportierst.

Ach, es ist ein Jammer. Als ich 2007 mit diesen speziellen Pflanzen anfing, hieß es noch: Absolut pflegeleicht, keine Feinde.

Kaum hatte Sempsfrau das sempervivum-forum.de gegründet, kamen die ersten Beobachtungen ans Tageslicht. Im Laufe der Zeit verdichtete sich der Verdacht und heute fragt man sich: Sind unsere Sempis pflegeleicht?

Wir können nur eins machen, wenn wir uns wegen der Maden nicht ärgern oder totarbeiten wollen:

Wir vermehren alle Sorten und Arten so umfangreich, bevor wir etwas abgeben, dass wir einfach die Maden fressen lassen können bis sie satt sind. Dann haben wir noch genug übrig. Die matschigen Blätter vertrocknen dann (nicht gerade ordnungsgemäß), aber akzeptabel. Halt wie in der Natur!

LG

Sempernicki

Hallo majoRahn,

viel Dank einmal wieder für dein informativen und ausführlichen Bericht.

Habe natürlich auch gleich mal bei mir eine Bestandskontrolle durchgeführt.

Ist ja bis jetzt noch überschaubar ,habe aber zum Glück keine Schäden feststellen können.

 

LG Rio

Hallo majoRahn,

nun hat es mich auch erwischt,habe aber nur eine befallene Pflanze.

Habe mal Bilder im Sempervivum-Forum hochgeladen.

LG Rio

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