Tipps zur Überwinterung von Sempervivum

von Beatrix Bodmeier (Zaubergarten)



Hallo liebe Sempsfreunde,

der Sommer neigt sich seinem Ende zu, mit Herbst und Winter stehen die nassen und kalten Jahreszeiten vor der Tür. Viele Sempsbesitzer fragen sich nun, wie sie ihren Lieblingen über diese schwierigen Monate hinweghelfen können.

Nun, ein jeder Winter bringt andere Gefahren mit sich. Mal ist es die Nässe, ein andermal die Kälte, die unseren Pflanzen zusetzt. In dieser "Notiz" möchte ich informieren, was gegen diese Gefahren unternommen werden kann.

Nässe

In vielen Gegenden fällt während der Wintermonte kaum Schnee, dafür aber reichlich Regen. Manche Sempervivum vertragen das überhaupt nicht.

Was können wir tun?

Wichtig ist, eine mögliche Abdeckung zu so konstruieren, dass die Luft über den Pflanzen zirkulieren kann. Ein Folientunnel, der an beiden Enden offen ist, wäre eine Möglichkeit. Ich selber habe mir - bevor wir das Gewächshaus kauften - preisgünstige "Frühbeetkästen" aus dem Baumarkt angeschafft. Damit kam ich, bzw. meine empfindlichen Pflanzen gut über den Winter. Folie direkt auf die Pflanzen gelegt, ist meiner Meinung nach keine gute Idee. Ich habe es selber nicht getestet, aber ich denke, man müsse dabei mit Fäulnis rechnen.
Fäulnissgefahr für unsere Wurzen entsteht auch, wenn Laub von umliegenden Bäumen und Sträuchern auf die Pflanzen fällt. Es kann passieren, dass im Frühjahr von den Sempis nichts mehr vorhanden ist, wenn sie den Winter über mit Laub bedeckt waren. Ich sammle im Herbst regelmäßig das heruntergefallene Laub von den Pflanzen.
Aber auch der Semps-eigene Laubkragen kann bei viel Regen zum Verhängnis werden. In der vertrockneten Schicht bleibt viel Feuchtigkeit hängen, die eine Gefahr für die Wurzen darstellen kann. Wenn ich von einer Sorte mehrere Rosetten habe, dann zupfe ich meist die Hälfte davon frei von vertrockneten Laub.
Warum nur die Hälfte?
Ganz einfach: sollte der Winter trocken und eisig kalt werden, dann schützt dieser "Kragen" aus trockenen Blättern vor der Kälte.

Ihr seht schon, ganz einfache und pauschale Empfehlungen gibt es nicht.

Kälte

Bei uns in Bayern hat es in den meisten Wintern - zumindest zeitweise - Temperaturen von weniger als 20 Grad minus! Wenn dann keine schützende Schneedecke über den Pflanzen liegt, kann es für einie Semps böse enden.
Eine ganz wichtige Regel lautet: runter von Tischen und Regalen und so stellen, dass Bodenkontakt besteht. Peter Dieckmann hat in den beiden letzten Wintern vor seinem Tod Versuche angestellt, wo er von jeder Sorte jeweils einen Topf nach unten stellte. In beiden Jahren verhielt es sich so, dass es bei den verbliebenen Pflanzen auf den Tischen mehr Ausfälle gab als bei den auf dem Boden stehenden.
Die Pflanzen sollten direkt auf dem Boden stehen, nicht in Kisten, die womöglich kleine Stege haben. Ein Freund von mir hatte nach einem strengen Winter in den Kisten viele Schäden und dabei war es auffällig, dass die jeweils inneren Pflanzen etwas besser aussahen als die, welche an den Rändern der Kisten standen.

Ein anderer Freund von mir hat seine Semps auf einem Flachdach stehen. Dieses Dach erstreckt sich über einen Gartenschuppen und den daran entlangführenden Weg. Hier gab es bei den Pflanzen, die über dem Weg standen deutlich mehr Ausfälle als bei denen über dem Schuppen. Auch hier dürfte die "Kälte von unten" dafür verantwortlich sein.

Styropor unter den Töpfen mag hilfreich sein, ich würde dabei die Mäuse fürchten. Die gehören übrigens auch zu den "Wintergefahren". Also bitte regelmäßig kontrollieren, ob Rosetten angenagt sind.

Wenn die Töpfe auf dem Boden stehen, bringt es etwas, rundherum einen "Rahmen" aus Brettern oder Kanthölzern zu legen. Dieser Rahmen hält die Kälte, bzw. die kalten Winde von den Töpfen ab.

Grundsätzlich gilt, dass ausgepflanzte Semps besser über die kalte Jahreszeit kommen als solche in Töpfen. Ich mache dabei jedoch immer wieder die Erfahrung, dass mir der Frost die Pflanzen UND auch die Schilder regelmäßig nach oben schiebt. Im Steingartenbeet drücke ich also nach jeder Frostperiode, bzw. während jeder "Warmzeit" Pflanzen und Schilder wieder in die Erde.

In manchen Jahren kommt es vor, dass sich - vor allem im Spätwinter - in der Nacht strenger Frost und beim Tag wärmender Sonnenschein abwechseln. Dann kann es passieren, dass von oben der Schnee taut, während der Topf noch durchgefroren ist. Unsere Wurzen treten dann am Morgen als "Eisblumen" auf und verwandeln sich bis zum Nachmittag in "Seerosen". Ich habe schon manche Stunden damit verbracht, das Wasser aus den Töpfen zu kippen, bevor es am Abend wieder zu Eis gefriert. Das ist nicht immer ganz leicht, weil oft die festgefrorenen Töpfe oft nur mit erheblichen Kraftaufwand vom Boden gelöst werden können. Ein Freund von mir hat mit dem Lötkolben Löcher in seine Töpfe gebrannt, damit das Wasser ausfließen kann.


Doch auch wenn solche Ereignisse "dramatisch" wirken, verloren habe ich durch diese Eisbildung bisher noch keine einzige Rosette.


Welche Sorten sind denn nun besonders "empfindlich"?
Bei mir kommen ins Häuschen: alle S. calcareum - Naturformen und - Züchtungen, alle S. tectorum -Naturformen und - Züchtungen, alle S. atlanticum-Naturformen

und -Züchtungen. Alle Mutationen und Cristate. Die Sorten von Sue Thomas (Sicherungsableger von jeder Sorte)

Außerdem schütze ich alle Züchtungen aus der "Pfälzer-" und der "Pacific-Reihe", alle "Andinn's", die Sorten, die nur in wenigen Rosetten vorhanden sind, alle Neuzugänge des Jahres, alle gelben S. heuffelii. Viele (oder die meisten) Naturformen - hier weiß ich oft nicht, ob sie nicht vielleicht aus wärmeren Gegenden stammen.

Es ist aber nicht so, dass man die Pflanzen im Häuschen einfach bis zum Frühling vergessen darf. Es muss regelmäßig gelüftet werden und wenn es im Spätwinter schon manchmal recht sonnig und warm ist, kann es auch sein, dass gegossen werden muss.
Immer noch das Beste was uns mit unseren Semps passieren kann ist eine dicke Schneedecke, die lange lieben bleibt.


Zum Abschluss nun noch eine Aufzählung von Kultivaren, die ich in den letzten Jahren im Gewächshaus überwintert habe. Es kann Zufall sein, wenn die eine oder andere Sorte mit dabei ist, die woanders problemlos über den Winter kommt. Bei mir hatte sie halt mal gezickt und darum die Vorsichtsmaßnahme.
Aalrika, Abendstern, Albion, Beringsegietje, Bicolor (III), Brand New Toys, Bronze Plastic, Burgundy Moon, Clärchen,Cmiral's Yellow' Commander Hay, Cretet, Drama Girl, Edward Balls, Fantasie, Grigg's Surprise, Happy Phantom, Hodis Ampel, Hot Shot, Jade Wine, Lemon Babies, Lentevuur, Loretta, Lucy Liu, Mrs. Giuseppi, Oddity, Miss Piggy, Paricutin, Park Hay, Plastic, Pink Monique, Pink Pearl, Precious Platinum, Red Lace, Robinia, Rose Marie, Sir William Lawrence, Spitzbub, Tacora, Teide, Tower Royal, Tristesse, Vanto, Vicky, Vlado, Walpurge, Weirdo, Zilver Joyce (wer noch weitere empfindliche Kandidaten kennt, bitte als "Antwort" einfügen)


Ich wünsche euch einen schönen Winter.

Beatrix