Reisebericht von Rolf Volbon zum Naturformen-Eintrag S. calcareum from Mont Ventoux, Point de vue
Hallo,liebe Sempsfreunde,
ich hoffe ihr habt inzwischen Majorahn's Calcareum-Träume gelesen und euch an ihren schönen Bildern erfreut.
Wer einmal in den Seealpen Frankreichs war, kann verstehen, weshalb sie so schön mit den Calcareums ins Träumen gerät.
Majorahns Bericht hat mich daran erinnert, dass ich 2006 einmal in der 'Semperpost' einen Bericht über die Calcareums des Mont Ventoux dank Hans-Dieter Röhr's Hilfe veröffentlichen konnte.
Und da bestimmte viele Sempsfreunde erst in den letzten Jahren in unseren Kreis gekommen sind, hier nochmals eine Kopie, - aber ergänzt von neuen Bildern.
„Tour de France“, Sempervivum gedopt
Am 26.April 1336 bestieg der Dichter Franceso Petrarca den „ heiligen Berg“ in der Provence. Heute gilt dieser Berg als die Herausforderung für alle radfahrbegeisterten Franzosen. Einmal in seinem Leben muss ein französischer Radfahrer ihn erstrampelt haben, - den Mont Ventoux in der Provence. Er ist Orientierungspunkt für die Piloten, er beherrscht die gesamte Region `Midi` und ist oft Etappenziel bei der Tour de France.

Mont Ventoux, der Gipfelturm

Da meine Frau und ich nur Gelegenheitsradfahrer sind, versuchten wir uns im Juni zwischen Hunderten von Cycletisten mit dem Auto zu behaupten. Ausgangspunkt unserer Tour war der malerische Ort Bedoin am Füße des Mont Ventoux. Einmal auf dem Gipfel angekommen, wollte wir zu Fuß die oberen Regionen abseits von Fahrradtouristen und -sportlern erkunden.
Wozu aber dieser Aufwand?
Ganz einfach, ich war auf der Suche nach Sempervivum calcareum, nach Gérard Dumont Homepage ‚sempervivophilia’ gibt es Vorkommen in Südost-Frankreich. Die Suche gestaltete sich schwierig, denn trotz einer phantastischen Vegetation mit Disteln, Ginster, Buchs, Thymian, verschiedenen Sedumarten, Gräsern, Rosmarin… - keine Semps in Sicht.
Schon gar nicht auf den letzten hundert Metern des Mont Ventoux. Kahler Fels herrscht hier vor, nur etwas Thymian und Grönlandmohn zwängen sich zwischen die Gesteinsbrocken. Meine Frau hatte inzwischen ihre sempervivumsolidarische Haltung etwas abgelegt und genoss einfach nur die phantastische Aussicht und die karge, aber beeindruckende Natur.


All mein Suchen führte zu keinem Ergebnis; ich weiß nicht, was die französischen Rennradler von diesem herumstolpernden Deutschen dachten.
Langsam arbeitete ich mich von 1900m auf etwa 1700m nach unten vor, nichts. Ich gab enttäuscht die Suche auf, kehrte zum Auto zurück und fuhr mit meiner Frau langsam die Serpentinen hinab auf ca. 1000m, immer wieder von Radfahrerpulks überholt. Ich benötigte meine ganze Konzentration für die Straße und trotzdem hatte ich, welch Ironie des Schicksals, meine ersten Semps-Entdeckung vom Auto aus, direkt am Straßenrand !! Es war unfassbar, dass mir diese Entdeckung bei diesem Abfahrstress gelang.
Nun ging alles schnell, nächster Rastplatz angefahren und schon entdeckte ich Sempervivum tectorum und calcareum zwischen den Felsen.
Manche Rosettengruppen waren so zwischen wildem, aromatischen Thymian und diversen Gräsern versteckt, dass Parkplatzbesucher bedenkenlos drübergingen. Mein hektisches Fotografieren wurde mit etwas Erstaunen registriert.
Die Semps-Rosetten waren stark geschlossen, denn immerhin hatten wir selbst hier oben 32 bis 36 Grad Celsius, und es hatte schon lange nicht mehr geregnet. Es war eine Augenweide, immer wieder kompakte Vorkommen zwischen den Buchs-, Rosmarin- und Lavendelsträuchern zu entdecken. Besonders schön harmonierten die Rosetten mit dem grauen, gelbblühenden Sedum sediforme.
So weit die Calcareum-Reise 2006.
Es folgen nun einige Bilder aus 2010, es war zwar fast die gleiche Jahreszeit, aber es hatte in den Tagen davor geregnet, die Vegetation war beiweitem nicht so durchgetrocknet.
Soweit der kleine Ausflug ins Reich der Sempervivum calcareum from Mont Ventoux. Tausende und abertausende Radsportfreunde, Tour de France-Teilnehmer, Reporter, Sportfans, Touristen und .... fahren tagtäglich an diesen fantastischen Pflanzen vorbei, ab und zu werden sie entdeckt.
Grüße mussbacher
Zum Antworten auf den Reisebericht muss man sich hier auf www.sempervivum-liste.de einloggen.

Comments
Antwort von Sempernicki am 09.03.2011
Lieber mussbacher,
oh, ich kann mich noch sehr gut an deinen Bericht aus der Semperpost erinnern!
Schon damals habe ich deinen einerseits erfrischenden, aber andererseits auch gefühlvollen Schreibstil über die Suche nach deinem geliebtesten Pflänzchen genossen. Hinzu kamen die Rundum-Informationen aus der Gegend und die eindrucksvollen Bilder.
Deine Frau zeigte sicher sehr schnell wieder ihre sempervivumsolidarische Haltung als sie ihren Mann so "aus dem Häuschen" sah.
Vielen Dank auch für den Nachtrag aus 2010.
Liebe Grüße
Sempernicki
Antwort von Sedum am 09.03.2011
Hallo lieber mussbacher
Ich liiiebe solche Berichte mit Bebilderung!
Werde mich jetzt noch ein schönes Weilchen an den
Bildern ergötzen.
Danke für's Zeigen!
Viele Grüsse
Sedum
Antwort von Manusemper am 09.03.2011
Lieber mussbacher / Pfälzer,
vielen Dank für den schönen Bericht vom windigen Berg und seinen Hauswurzen! Es ist immer eine große Freude, wenn man seine Lieblinge in der Natur entdecken kann.
Herzliche Grüße
Manusemper
Antwort von majoRahn am 13.03.2011
Hallo mussbacher,
wovon ich träume hast du in echt erlebt. Vielen herzlichen Dank, dass du einem Spätankömmling wie mich an deiner Reise teilnemen lässt. Du zeigst sehr schöne Bilder! Fast versteckte Biotope - von Meisterhand angelegt. Sollte ich wirklich einmal zum heiligen Berg kommen, weiß ich ja nun, wo und wie ich suchen muss: im Schrittempo am Straßenrand.
Herzliche Grüße von majorahn, die sich über Reisebilder immer freut!